Gemeinde Oberlienz in Osttirol

Die Dorfschule

 

Die Geschichte der Dorfschule beginnt schon im Jahre 1678. Mathes Maurer war der erste Schulmeister von Oberlienz. 1716 scheint Jakob Maurer als Lehrer auf. 1720 bis 1737 ist der Schneidermeister Andrä Modling Lehrer in Oberlienz. Wo und in welcher Form unterrichtet wurde, geht aus der Chronik nicht hervor.

 

1785 wird die Schule von Gesetzes wegen eingeführt. Die erste nachweisbare Unterkunft fand die Schule im Untermetzgerhaus. Dieses wurde 1787 verkauft, und der damalige Lehrer war gezwungen, in seinem eigenen Haus zu unterrichten.

 

Ab 1810 berichtet die Chronik von der Schule im Widum. In einer Klasse unterrichteten zwei Lehrer gleichzeitig. Eingeschult waren die Kinder der damals selbständigen Gemeinden Oberlienz, Oberdrum und Glanz.

 

1842 wurde die Schule einklassig geführt und von 101 Kindern besucht. 1850 konnte die Raumnot durch die Errichtung einer Klasse in der Kramerstube behoben werden. Kurze Zeit später wurde diese Klasse zum Oberragger (Wegscheider) verlegt.

 

Rückschläge blieben der Schule nicht erspart. So wurde sie laut Chronik 1862 wieder einklassig geführt. Weiters wird berichtet, dass ab dem Jahre 1876 im mehrjährigen Schnitt 86 Kinder die Schulbank drückten. 1879 wird die ungesetzliche Klassenschülerzahl mit 105 Kindern angegeben. diese Situation veranlasste den Landesschulrat, den Auftrag zu erteilen, sofort mit den Vorbereitungen zur Schaffung von besseren Schullokalitäten zu beginnen.

 

1882 erfolge eine weitere amtliche Weisung, die Raumnot zu beseitigen, widrigenfalls die Bezirkshauptmannschaft Lienz auf Kosten der Gemeinden Oberlienz und Oberdrum ein Schulhaus errichten lasse. Jetzt endlich wurde gehandelt. Die Gemeinde kaufte das Moalerhaus und richtete es als zweiklassige Schule ein. Endlich hatte die Schule ein eigenes Haus - ein Meilenstein in der Schulentwicklung von Oberlienz. Um die Jahrhundertwende besuchten im mehrjährigen Schnitt 104 Kinder die Schule. Das Haus war wieder zu klein geworden, und so drängte der Bezirksschulrat schon 1904 die Gemeinden, Abhilfe zu schaffen. Es gab viele Überlegungen, die Raumnot durch Zubauten zu beseitigen. Aber keiner der Pläne wurde als zweckmäßig erachtet. So fasste man den Entschluss, einen Neubau zu errichten. Die damalige Gemeinde Oberdrum sprach sich dagegen aus, verlangte eine eigene Schule und wollte in Oberdrum ein Schulhaus bauen. Der Wunsch der Oberdrumer wurde - wie schon des Öfteren in früheren Jahren - vom Landesschulrat mit Erlass vom 7. Juni 1907 abgewiesen. Der Einspruch gegen diese Entscheidung wurde vom Ministerium für Unterricht und Kunst mit Erlass vom 16. Oktober 1907 abgewiesen. Nach weiteren schwierigen Verhandlungen wurde 1908 ein Bauprogramm beim Bezirksschulrat eingereicht. In den Sommern 1910 und 1911 wurde das neue Schulhaus im Kramer Garten errichtet. In der Chronik wird von einer Wohlfahrt für Kinder und Lehrpersonen gesprochen, ins neue Haus einziehen und dort arbeiten zu dürfen. Jedoch wird auch mit Kritik am Neubau nicht gespart: kein Lehrmittelzimmer, zu hohe Klassenräume, schwer beheizbar, unzulängliche Einrichtung und so fort.

 

Auch im neuen Haus wird die Schule - vermutlich wegen Lehrermangels - nur zweiklassig geführt. Die Jahre des Ersten Weltkrieges überbrückten die Lehrerinnen Hörndle, Peter, Gasser und Obererlacher unter schwierigsten Bedingungen. Zeitweise führten sie die Schule als Einfrauenbetrieb bei einer Schülerzahl von durchschnittlich 120 Kindern.

 

Im Schuljahr 1921/22 wurde die Schule erstmals dreiklassig geführt (140 Kinder). Die dritte Klasse wurde jedoch schon 1927 aufgelassen, da die Schülerzahl unter 120 sank. Erst im Herbst 1931 wurde die Schule mit 162 Kindern dreiklassig.

 

Die Bedingungen waren auch während des Zweiten Weltkrieges äußerst schwierig. Die Schule wurde wieder zweiklassig. VSD Alois Gutwenger arbeitete 1939/40 mit 92 Kindern in seiner Klasse. Die viele Arbeit der zwei Lehrpersonen kann man kaum ermessen.

 

Bald schon durfte der Religionsunterricht nicht mehr im Schulhaus abgehalten werden und wurde außerhalb der regulären Unterrichtszeit in der Gruft erteilt. Auch das Schulgebet durfte nicht mehr gesprochen werden.

 

1944/45 sind wieder drei Lehrpersonen tätig. 1962 steigt die Schülerzahl (8 Schulstufen) auf 150. Die Schule wird erstmals vierklassig geführt. In Ermangelung eines Klassenzimmers im Schulhaus wird im Dachgeschoss des Gemeindehauses ein Raum für die 1. Klasse eingerichtet.

 

Das neue Schulgesetz tritt in Kraft. Oberlienz liegt im Berechtigungssprengel der Hauptschule Lienz. Hauswirtschaftsunterricht für Mädchen an Volksschulen wird Pflicht. Für unsere Schule wird beim Tschelcherbauer Johann Ragger eine Notküche eingerichtet. Eine weitere Neuerung erfolgte 1963 mit der Einführung des Unterrichtsfaches Knabenhandarbeit. Zur Unterrichtserteilung wird der Gemeindesaal zur Verfügung gestellt. Im Unterrichtsjahr 1965/66 steigt die Schülerzahl auf 166. Eine 5. Klasse wird geführt. Die Raumnot erzwingt die Einführung des Wechselunterrichtes. Das bedeutet, dass im gleichen Raum zwei Klassen abwechselnd am Vormittag und am Nachmittag unterrichtet werden. Die Schülerzahl steigt weiter an. Mit einer Gesamtschülerzahl von 182 Kindern wird eine weitere Klasse eröffnet. Die Raumnot wird immer drückender: Wechselunterricht, Turnen auf der Schütte und bei Maria Trost, Küche und Werkraum nach wie vor in Notunterkünften.

 

Mit Frau Aloisia Harrasser unterrichtet 1966 erstmals eine Laienreligionslehrerin an der Schule.

 

Von einem ganz besonderen Ereignis ist zu berichten: Die Gemeinde erwirbt 1967 in herrlicher Lage einen Baugrund zur Errichtung eines neuen Schulhauses. Der Plan ist großzügig: 8 Klassenzimmer, Schulküche, Werkraum, Gymnastikraum mit Nebenräumen. Auch ein Turnsaal wird geplant, kommt aber nicht zur Ausführung. Ein schöner Sportplatz entschädigt dafür einigermaßen.

 

Über den Bauablauf liest man in der Chronik: Der Bau des neuen Schulhauses schreitet zügig vorn. Der Rohbau wird im Sommer 1968 fertiggestellt, mit dem Innenausbau kann bereits im Herbst begonnen werden. Es steht eine Fertigstellung bis zum Schulbeginn 1969/70 nichts im Wege. Und tatsächlich bringt das neue Schuljahr für Kinder und Lehrpersonen das große Ereignis der Übersiedelung ins neue Haus. Ein historisches Ereignis. Alle räumliche Beengtheit ist vergessen. Die feierliche Einweihung erfolgt am 12. Oktober 1969. Einmalig in der Schulgeschichte ist die Führung der ersten Schulstufe in zwei Klassen (insgesamt 40 Schulanfänger, 1974-1978).

 

Mit Beginn des Schuljahres 1976/77 wird Oberlienz dem Pflichtschulsprengel der Hauptschule Lienz zugeordnet. Damit erfolgt die Auflösung der Volksschuloberstufe. Die Kinderzahl - und damit die Klassenzahl - sinkt laufend ab. Das dadurch entstehende Raumüberangebot nützt die Landwirtschaftliche Lehranstalt Lienz. Eine Klasse der dortigen Haushaltungsschule wird nach Oberlienz verlegt. So kann das halbleere Haus doch wieder gut genutzt werden.

 

1978 wird unsere Schule wieder vierklassig. Das ist auch heute noch der Fall bei einer durchschnittlichen Schülerzahl von 73 Kindern in den letzten 20 Jahren. Zum Vergleich 1876 bis 1881 im Schnitt 86 Kinder auf 8 Schulstufen. Nachdem die Haushaltungsschule die Zelte in Oberlienz abbricht und nach Lienz übersiedelt, wird in der Schule wieder viel Platz. Um diesen nicht ungenützt zu lassen, wurden Überlegungen angestellt, das Haus anderweitig sinnvoll zu nützen. So ist vermerkt, dass der Kindergarten seit seinem Bestehen im Schulhaus Heimatrecht hat.

 

Schulpflicht

 

Am 6. Dezember 1774 hatte Kaiserin Maria Theresia vorbildlich für ganz Europa nach nur vier Jahre dauernder Vorbereitungsarbeit die "Allgemeine Schulordnung für die deutschen Normal-, Haupt- und Trivialschulen in sämtlichen Kaiserlich-königlichen Erbländern" unterzeichnet.

 

Unseren Volksschulen entsprachen die Trivialschulen, die in allen Orten mit Pfarr- oder Filialkirchen zu errichten waren. In ihnen wurde den Kindern bis zu ihrem 12. Lebensjahr neben dem Schreib-, Lese- und Rechenunterricht auch eine "Anleitung zur Rechtschaffenheit und Wirtschaft" erteilt.

 

Von Lehrern wurde bereits eine Ausbildung verlangt und hierarchisch aufgebaute Aufsichtsbehörden, in denen Laien überwogen, überwachten ihre Arbeit. Das geringe Ansehen der Lehrer war vor allem auf die schlechte Besoldung zurückzuführen; ohne Nebenerwerb war es unmöglich, eine Familie zu erhalten. Eine Altersvorsorge gab es nicht. Es wurden auch schon Lehrbücher gedruckt, ein Viertel davon erhielten arme Kinder bereits damals gratis. Finanziert wurde das Schulwesen aus dem eingezogenen Vermögen des aufgelösten Jesuitenordens und den Pflichtbeiträgen der Herrschaften, Pfarrgemeinden und Eltern.

 

Die revolutionäre Neuerung des Pflichtschulwesens rief lange Zeit heftigen Widerstand von beinahe allen Seiten hervor. Alles, was nur entfernt nach Schule roch, wurde heftigst angefeindet. Die kirchlichen Stellen, nicht nur erbost über die erlittenen Vermögensverluste, bangten um ihren Einfluss und opponierten gegen alles Aufklärerische, das als Ketzertum gebrandmarkt wurde. Die Eltern stimmten beifällig in diesen Chor ein und schimpften über die Schulpflicht, die sie neuerdings unter Strafandrohung zwang, die Kinder zur Schule zu schicken, und weil auch nicht unbeträchtliche Kosten durch Schulgeld (nur die Ärmsten waren davon befreit), Schulgewand und Schulsachen entstanden. Nur sehr zögernd, hauptsächlich aus Furcht vor hohen Strafen, wurde der Schulbesuch zur Gewohnheit. Zu schlechter Letzt schwenkten in nachnapoleonischer Zeit auch noch die staatlichen Behörden ganz auf diese schulfeindliche Linie ein, weil befürchtet wurde, dass von ausgebildeten Bürgern weniger Untertänigkeit zu erwarten wäre.

 

Gründung und Werdegang

 

Es wird heute verwundern, dass just in diese Zeit - in das Jahr 1837 - die Gründung der Schule in Glanz fällt. Das Schreiben der hohen Landesstelle vom 10. Mai, das die Schuleinrichtung in Glanz bewilligte und die die damit verbundenen Auflagen präzisierte, atmen ganz den obertänigen Geist der metternich'schen Restauration.

 

Bis Glanz eine eigene Schule hatte, so liest man in einer Chronik, hätten die Kinder die Oberlienzer Schule besucht, weil Glanz zur Pfarrei Oberlienz gehörte und das Bildungswesen zunächst in Händen des Klerus lag. Es könnte wohl auch die Schlaitener Schule in Frage gekommen sein, war doch Glanz lange Zeit hindurch Teil dieser Gemeinde. Nicht nur aufgrund der weiten Schulwege, die winters sicher auch wochenlang unbegehbar waren, ist beides zu bezweifeln; eher wird man wohl vermuten können, dass abwechselnd in den Stuben der Häuser, wo Kinder waren, Schule gehalten wurde, wie es auch Peter Rosegger aus seiner Waldheimat beschreibt.

 

1847 war die Schule immer noch einklassig. Es standen damals 23 Häuser in Glanz, und 22 Kinder, je 11 Knaben und 11 Mädchen, besuchten die Schule. Erster Lehrer war Josef Kröll, der zuvor in Oberlienz tätig gewesen war. Er scheint nur mehr seine allerletzte Dienstzeit hier verbracht zu haben, weil schon zehn Jahre später anlässlich einer Schulvisitation (23. April) Karl Huber als Provisor des Lehrerdienstes genannt ist. Dabei wurde festgestellt, dass der Fortgang durchgehend gut war, das Schulhaus sich ganz gut im Stande befand und damit den nötigen Requisiten versehen war. Taubstumme oder blinde Kinder gab es keine. Der Unterricht erfolgte ganztägig, und Buben und Mädchen wurden gemeinsam unterwiesen. Die "Wiederholungsschule" (Vorläufer der Fortbildungsschule, "Feiertagsschule") wurde gemeinschaftlich in Oberlienz besucht. Huber zeigte sich geschickt und wurde als Lehrer angestellt. Schulpatron (Schulerhalter) war die Gemeinde Glanz, die dem Lehrer 35 fl. Gehalt bezahlte. Katechet war der Hilfspriester Moritzl von der Pfarrei Oberlienz, der seine Pflicht eifrig erfüllte.

 

Über die Erfüllung der Schulpflicht wurde wohl nicht sehr penibel gewacht, wollte es sich der Lehrer nicht ganz mit der Bevölkerung verderben. Kinder waren in Stadt und Land allzu wichtige Arbeitskräfte. Umso mehr hätten diese armen, scheuen Kinder eine liebevolle, behutsame Führung gebraucht. Verhärtet durch ihr eigenes armseliges Leben waren die Lehrer nur selten dazu imstande. Es mag aus heutiger Sicht erstaunen, dass trotz der schwierigen Verhältnisse der Großteil der Schulabgänger nach ca. 1850 doch lesen und schreiben konnte; die hochsprachliche Wortgewandtheit ließ allerdings in unseren ländlichen Gebieten noch sehr zu wünschen übrig. vergessen wir nicht, dass noch bis ins Mittelalter z.B. in Kals neben einem deutschen und einem windischen ein ladinischer Dialekt als Umgangssprache diente. Diese sprachliche Schwerfälligkeit wurde erst vom Fernsehen und den anderen Medien verdrängt.

 

Der Sturz Metternichs brachte im Revolutionsjahr 1848 einen großen Umschwung: Das Bildungswesen wurde verstaatlicht, und als Bildungskonzept galt nunmehr eine ganzheitliche, harmonische Allgemeinbildung.

 

Mit dem 1855 zwischen Staat und Kirche geschlossenen Konkordat erlahmten diese Bestrebungen zur Schaffung einer staatlichen Schule mehr und mehr, und die Kirche erlangte wieder großen Einfluss auf die Erziehung. Seit damals hängen Kruzifixe in unseren Klassen. Mit dem Reichs-Volksschulgesetz 1865 war u.a. auch die Besoldung der Lehrer neu geregelt worden, weil das Schulgeld bei den Bauern häufig uneinbringbar war. So hatte früher der Schulmeister einen Überrest des Zehnten genossen, d.h. er war zum Großteil in Naturalien entlohnt worden. Wichtigster Nebenerwerb war die Musikantentätigkeit: Lehrer durften nun auch zur Unterhaltung aufspielen, was bisher aus Standesrücksichten nur zu kirchlichen Feierlichkeiten erlaubt war. Obwohl seit 1867 die Gleichberechtigung der Geschlechter festgeschrieben ist, war den Mädchen eine weiterführende Bildung noch kaum möglich. 1919 trat Frau Maria Testen als erste weibliche Lehrperson in Glanz ihren Dienst an. Der Kampf um die berufliche Gleichberechtigung der Frauen schien erste Früchte zu tragen. Vermutlich war aber der starke Männermangel der zwingendere Grund. Herausragende Lehrerpersönlichkeit in den Jahren der Ersten Republik war Johann Pölt, der das Anwesen zu "Gale" erwarb und hier ansässig wurde. Ihm war die Aufgabe zugefallen, in jener Zeit der Hoffnungs- und Orientierungslosigkeit die Schule zu leiten und der Bevölkerung Halt zu geben. Glanz hielt sich bis auf wenige Ausnahmen unter seiner und Bürgermeister Winklers Führung an die Christlichsozialen. nach dem Dollfuß-Mord 1934 wurde auf Initiative der beiden dem hochverehrten Politiker am Dorfeingang ein Denkmal, das sogenannte "Dollfuß-Kreuz", errichtet. Wie die meistern Lehrer musste unter dem Nationalsozialismus auch Pölt, dessen "unverlässliche" Gesinnung bekannt war, zur politischen Nachschulung, konkret nach Oberlienz. In den Schulen wurde der Hitlergruß eingeführt, die "Kurrentschrift" kam ab, und es wurde erhöhter Wert auf Körperertüchtigung gelegt. Damals kamen die Glanzer zu ihrem "Sportplatz": Auf dem Grundstück, wo heute das Haus "Kreuzer" steht, errichtete man eine kurze Laufbahn mit Sprunggrube und gegenüber, als Vorläufer des heutigen Eisplatzes, entstand ein kleiner Ballspielplatz. Die Neuerungen des verhassten Regimes hatten Pölt wohl so tief gekränkt, der er noch im Jahr 1938, erst 41-jährig einem Herzinfarkt erlag; man könnte sagen, er starb an gebrochenem Herzen.

 

1956 fiel der Beschluss zum Neubau der Schule. Wegen der prekären Finanzlage der Gemeinde erklärte sich die Agrargemeinschaft Glanz bereit, das Grundstück (es wurde im Tauschweg für das Alte Schulhaus von Alois Brunner zu "Thaler" erworben) bereitzustellen und den Neubau vorzufinanzieren. Dafür wurden 100 fm Überschlägerung als Vornutzung aus dem Agrar-Wald entnommen und noch ein Kredit von öS 50.000,- aufgenommen. Man feierte vor Wintereinbruch das Firstfest der neuen Schule: Sie erhielt zwei große Klassenzimmer mit Nebenräumen im Erd- und im Untergeschoss, da man VS-Ober- und Unterstufe endlich getrennt zu unterrichten gedachte. Im Obergeschoss wurden eine große Lehrerwohnung und ein Gemeinschaftsraum für die Agrargemeinschaft eingerichtet. Beim Bau des Neuen Schulhauses, den die Lienzer Firma Sapinski ausführte, waren fünf Glanzer als Arbeiter tätig. Sie wurden vom damaligen Obmann der Agrar, Josef Egartner zu "Außergreinhof", entlohnt, wie aus dem Arbeitsbüchl Alois Hainzers zu "Winkler" hervorgeht. Man musste zunächst wegen der Steilheit des Geländes talseitig eine hohe Stützmauer aufziehen, hinter der das bergseitig aus dem Felsen gesprengte Material aufgeschüttet wurde, um einen halbwegs ebenen Bauplatz zu erhalten. Ein Kuriosum bestand darin, dass der ganze Bau ohne Zufahrtsstraße, nur von einer Seilbahn bedient, errichtet wurde.

 

Die heutige Zufahrt entstand erst, als der Lkw mit der ersten Brennmittellieferung in der letzten Kehre auf dem alten "Thaler-Weg" steckenblieb und abzustürzen drohte.

 

Seit dem Reichsvolksschul-Gesetz aus dem Jahr 1856 waren keine wesentlichen Änderungen an den Schulgesetzen vorgenommen worden. Die Glöckel'sche Schulreform aus der Ersten Republik war am Land nie recht zum Tragen gekommen und die Veränderungen im Dritten Reich gingen, wie sie kamen. 1963 trat endlich ein längst fälliges neues Schulgesetz in Kraft. Neben zahlreichen wichtigen Neuerungen, z.B. Züchtigungsverbot, brachte es für den ländlichen Raum die Abschaffung der beliebten VS-Oberstufe. Natürlich gab es eine gleitende Umstellung, die letzten Oberstufen-Schüler wurden in Glanz im Schuljahr 1974 unterrichtet, ab da hieß es nach der 4. VS-Klasse Abschied nehmen vom Heimatdorf und um 7 Uhr beim Feuerwehrhaus gestellt sein, um den Schulbus nicht zu versäumen.

 

Mit dem Ende der VS-Oberstufe sank die Schülerzahl von 31 im Jahr 1972/73 auf 22 im Jahr 1974. Die Glanzer Hauptschüler erhielten eine von Privaten mit Kleinbussen betriebene Schulbuslinie. 1981 fiel zum ersten Mal die Schülerzahl unter 10. Der "Pillenknick" wirkte sich auch hier deutlich aus: Seit 1974 wurde die Schülerzahl mehr als halbiert.

 

Endlich kamen auch neue Lehrpläne: Man orientiert sich in der Unterrichtsarbeit nicht mehr nach starr vorgegebenen Lernzielen, sondern hat vor allem Rücksicht zu nehmen auf die Eigenheiten des Kindes in Unterricht und Benotung. Dazu kam endlich die Einbeziehung der Eltern ins Schulsystem zur Bildung einer echten Schulpartnerschaft.

 

Unterrichtsmethoden VD Schullins, welche sich deutlich von jenen seines Vorgängers unterschieden, brachten Unsicherheit und Zwietracht in die Bevölkerung. Der Antrag einiger Eltern an den Gemeinderat, die Glanzer Schule zu schließen und die Kinder in die VS Oberlienz aufzunehmen, wurde mehrheitlich abgelehnt. Seit Herbst 1992 besuchten Kinder dreier Glanzer Familien die VS Oberlienz. Dadurch sank die Schülerzahl in den Jahren 1992/93, 1997/98 und 1998/99 auf vier. Ab 1999/2000 ist die Tendenz der Schülerzahlen wieder spürbar steigend.

 

 

 

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